Nachdem der Wetterbericht für heute Regen, Regen, Regen angekündigt hatte, hatte ich mir Indoor-Aktivitäten verordnet. Ich habe mich gestern ohnehin versehentlich auf meine neue Sonnenbrille gesetzt, und es hat sich damit ausgesonnenbrillt.
Und zwar wollte ich erst ins Kino - der Matsumoto sagte gestern, dass sein neuester Film nicht so gut läuft (wer ein Plakat gesehen hat, wundert sich nicht, warum, dem sieht man schon auf 100m Entfernung an, dass es ein ganz übles Machwerk ist) und er brauche noch paar Yen fuffzich, und wir sollten doch ins Kino gehen. Ja, ja, übles Machwerk hin oder her, dachte ich mir, das ist doch genau der Level, auf dem ich Japanisch verstehe, in den Autorenfilm brauchen wir nicht gehen.
Anschließend wollte ich ins Museum vom Studio Ghibli (falls ihr das nicht kennt, das ist ein ziemlich berühmtes Animationsstudio). Aber so ein Museumsbesuch ist nicht ganz so trivial, wie er sich anhört.
Es will nämlich jeder und seine Großmutter ins Ghibli-Museum, die Jungs vom Ghibli-Museum wollen aber nicht, dass es da zugeht wie Sau. Also muss man sich die Tickets vorher kaufen, und zwar gibt es in ganz Tokio eine Kette mit Drogeriemärkten, nämlich den “Lawson”, wo man an Automaten Konzertkarten aller Art kaufen kann sowie eben die Tickets für das Museum. Freundlicherweise haben die Ghiblis auf ihrer Seite auch genau aufgelistet, welche Knöpfe man drücken muss. Erst den pinken rechts oben, dann den schmalen links oben, dann die Zeit auswählen, zu welcher man hin will (es gibt 4 zur Auswahl), dann angeben, wie viele Tickets man will, und voilá! Die Maschine spuckt einen Bon aus, den man an der Kasse gegen Tickets eintauschen kann. Sagt zumindest die Ghibli-Seite.
Ich also morgens auf dem Weg zum Kino noch flugs zum Lawson, geht ja schnell. Pinken Knopf gedrückt, Knopf links oben, Zeit ausgewählt, 14.00 Uhr ist gut … Automat rödelt, wunderbar, gleich kommt der Bon.
Nein! Der Automat zeigt mir einen langen japanischen Text sowie drei fies japanisch beschriftete Auswahlknöpfe. Hm. Ich vermute, dass der Satz heißt “Alle Tickets für die Zeit schon weg”, und drücke den Auswahlknopf, auf dem ich die Schriftzeichen für “zeigen” und “Zeit” erkenne, weil ich denke, das heißt sicher, “Zeige mir die Zeiten, wo noch gehen tun”. Heureka! Der Automat zeigt mir viele Zeiten, heute ist nur noch 16.00 Uhr frei. Ich drücke auf 16:00 Uhr. Jetzt kommt sicher der Bon.
Nein!!! Unerwartet zeigt mir der Automat Bilder von schönen Kreditkarten vom Lawson und gibt mir die Auswahl “IIE” (das heißt “nein”, lese ich übrigens im Geiste immer wie “das Produkt der deutschen Henne, WILD DURCHEINANDER”) und “HAI” (”ja”, das kennt man). Ich also flugs “IIE”, weil hab ich nicht, die Kreditkarte. EEEK! Der Automat will, dass ich mit fiesen japanischen Buchstaben meinen Namen eingebe. Das war so nicht vereinbart. Vielleicht hätte ich ja doch “HAI” drücken sollen, und die Kreditkarte war nur ein Symbol für “Bezahlen”? Ich also wieder zurück, “HAI” - nö, da soll ich die Kreditkarte durchziehen. Ich also wieder zurück, “IIE”, und mühsam meinen Namen mit Katakana buchstabiert.
Daraufhin gibt es zwei Knöppkes, einen linken und einen rechten. 50% Chance! Ich also links draufgedrückt…Abbruch! Muh! Alles wieder von vorn. Pinker Knopf, Knopf oben links, Zeit ausgewählt, IIE! Namen buchstabiert. Also jetzt den rechten Knopf.
“Bitte geben Sie Ihre Telefonnummer ein, und zwar (XXX)-(XXX XXXX)” sagt der Automat. AAAAH! Isch abe doch gar keine japanische Telefon. Ich gebe wild irgendwelche Nummern ein. UNGÜLTIGE NUMMER sagt der Automat. Ich gehe auf der Suche nach einem Angestellten. Der Angestellte sagt, ich soll da meine Handy-Nummer eingeben. Ich sage, ja, gut und schön, junger Mann, das hätte ich ausnahmsweise verstanden, aber ich sei aus Deutschland, und deutsche Handynummern seien nicht so wie die japanischen. Nun, ich solle einfach die Nummer von meinem japanischen Arbeitgeber eingeben, sagt der höfliche Angestellte, verbeugt sich und geht wieder Regal einräumen *sigh*. Touristen wollen offenbar nie ins Ghibli-Museum.
Nachdem ich noch mehrere UNGÜLTIGE NUMMERN!!! versucht habe, gebe ich auf und meine deutsche Handynummer ohne die Null der Vorwahl ein. VIELEN DANK sagt da der Automat. HAHAHA! Die mag der Automat doch tatsächlich leiden. Hätte ich das nur gleich versucht, aber wer kann denn das ahnen. Und tatsächlich, danach kann ich “1 Person” eingeben, und der Automat spuckt meinen Bon aus. Puh. Das war mal eine schwere Geburt.
Ich also aus dem Lawson raus - draußen ist strahlender Sonnenschein. Bah, vom Wetter lasse ich mir meine Pläne nicht vermiesen. Ich beschließe aber, ab heute nicht mehr auf den Wetterbericht zu hören. Morgen geht’s zum Strand oder nach Hakone, egal, was. Falls ihr also morgen vom fiesen Unwetter in Tokio hört, wisst ihr, woher es kommt.
Zum Glück bin ich rechtzeitig los und trudle trotz meiner Lawson-Eskapade rechtzeitig zu Filmbeginn im Kino ein, wo zunächst aber ein Public Announcement kommt “Handys aus, jetzt nicht mehr reden, und bitte nicht den Sitz vor Ihnen treten”, ein Schluss, den ich sehr schön finde. Ich bin etwas besorgt, dass ich im falschen Film sitze, denn außer mir sind noch 4 Geschäftsmänner und 2 alte Opas im Kino. Nicht die typische Matsumoto-Klientel. Vielleicht bin ich doch versehentlich in “Rambo” geraten? Nein, es ist tatsächlich “The Last Princess”, das üble Machwerk - und es handelt sich tatsächlich um ein solches. Es ist tatsächlich ein Remake von einem Kurosawa-Film, der sich vermutlich darob im Grabe umgedreht hat (isser tot? ich weiß sowas ja nie).
Hätte mich der Matsumoto doch nur mal vorher gefragt, hätte ich ihm auch sagen können, dass der Film floppen wird, denn man hat ihm einen Bart angeklebt zu seinen puschligen Haaren, dass er vage aussieht wie ein Pavian, und das wollen doch die kleinen Mädchen nicht sehen. Der Film ist aber ziemlich unterhaltsam, in einer “Wir schauen ihn nachts auf RTL2″-Art und Weise, ich amüsiere mich prächtig und kann der Handlung auch ohne Probleme folgen.
Die im Titel erwähnte Prinzessin trägt trotz Edo-Samurai-Setting schicke Overknee-Strümpfe, behauptet aber dennoch zunächst hartnäckig, sie sei der Bruder von dem Typen links neben ihr auf dem Bild. Ja nee, is klar. Der prügelt sich mit einem Samuraischwert funkensprühend (!) mehrfach durch die Horden des zwar fies schwarz gekleideten, aber mit ca. 1,20m Größe doch wenig furchterregenden Darth Vader-Samurai-Bösewicht. Zwischendurch gabeln die beiden den Matsumoto und seinen Comedy-Sidekick auf, die sich hauptsächlich durch stets wechselndes Schuhwerk und Zustand der Zähne (Continuity hallo!), schwarze Schminke im Gesicht (Street Cred!) sowie die bereits erwähnte überbordende Haarpracht auszeichnen - auch im alten Edo hatte der Samurai stets eine Dose Gard extra strong im Handgepäck.
Zwischendurch kommen mir Zweifel, ob man den Film tatsächlich ernst gemeint hat, nämlich, als der zuvor erwähnte Prügler einen der Samurai mit dem Schwert trifft, und der Samurai in zwei Hälften vom Pferd kippt. Ich versuche, nicht zu laut zu lachen, um die Geschäftsmänner nicht zu wecken, die neben mir eingenickt sind. Am Schluss ist die Prinzessin gerettet und geht ihr Land regieren, aber der Matsumoto darf nicht an sie ran (weil kein Prinz), und hüpft statt dessen mit seinem Sidekick durch die Wellen am Strand. Wunderbar. Ob das mal bei Kurosawa auch so war? Ich beschließe, sofort die DVD zu erwerben, wenn sie denn erst für 150 Yen in der Ramschkiste liegt.
Anschließend fahre ich zum Studio Ghibli-Museum, und das ist tatsächlich ganz reizend. Es liegt ganz idyllisch in einem Park etwas außerhalb in einem Vorort von Tokio und sieht ein bisschen aus wie ein Hundertwasser-Haus. Innen ist es niedlich verwinkelt und weniger wie ein Museum, sondern eher wie ein kleines Haus, in dem ein Animator wohnt - man kann alles anfassen und reingucken und aufmachen und Bleistifte aufheben und Sachen entdecken. Deshalb auch die limitierten Tickets, damit man sich nicht gegenseitig auf die Füße tritt. Auf dem Dach stehen ein großer Metallroboter und ein geheimnisvoller Würfel, den ich nicht kenne - ich habe von Miyazaki nur “Mononoke Hime”, “Spirited Away” und “Howl’s Moving Castle” gesehen. Die anwesenden Japaner kennen den Würfel aber, und halten geheimnisvoll ihre Hände darüber fürs obligatorische Foto. Ich mache lieber eins mit dem Roboter.
Trotz der “Lawson”-Hürden sind außer den Japanern auch noch ein Haufen Touristen da. Nach einer Weile Wandern werde ich erschöpft und gucke noch im hauseigenen Kino einen kurzen Film über eine Katze, die 8 Beine hat und ein Bus ist. Der NEKO-BUS! Das erklärt das Zimmer ganz oben im Speicher vom Haus, in dem ein riesiger Neko-Bus aus Plüsch steht, wo alle Kinder hin wollen und sich in die Plüsch-Katze setzen. Ich will auch einen Neko-Bus! Der könnte mich jetzt wieder in mein Hotel zurück bringen. Leider habe ich keinen und so muss ich mit dem Zug wieder zurück fahren. Jetzt bin ich wieder voll erschöpft, in meinem Alter sind so Ausflüge ganz schön anstrengend. Vielleicht doch morgen eher zum Strand als den Vulkan hoch…
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Also eins mal vornweg: Meine Herrn! Je-Der-Cent-Gut-Investiert! Ich meine, billig war es ja nicht. Wobei mein Geld nicht an Herrn Johnny geht (dem die Arashis nebst vielen anderen Boybands nämlich gehören, und wo am Ende die Knete grundsätzlich hängenbleibt), sondern an den komischen Shop, wo ich die Karte gekauft habe - regulär sind die Dinger nämlich gar nicht so teuer.
Aber alles schön der Reihe nach. Ich dackelte so gegen 2 zum Tokyo Dome, weil ich mir dachte, dass ich mich ja orientieren muss und so, und ich wollte ja auch vorher noch so ein Winketeil erwerben. Mit mir dackelten circa 70.000 andere Mädchen (plus ca. 4 Jungs) ebenfalls Richtung Dome. Am Straßenrand saßen mitleidige Gestalten, die Schilder hochhielten “Brauche Ticket”. Immer wenn ein Polizist vorbeikam, wurden die Schilder rasch weggetan, denn man kriegt eigentlich nur eine Karte, wenn man im Fanclub ist und an einer Lotterie teilgenommen hat (weil doch so viele Leute Tickets wollen). Karten auf anderem Wege zu erstehen, ist total illegal. Ich hatte etwas Angst, dass bei mir doch vage auffällt, dass ich nicht im Fanclub bin, und man mir die Karte am Eingang wieder abnehmen wird. Dem war aber zum Glück nicht so.
Ich widerstand der Versuchung, triumphierend mein Ticket vor den Augen der traurigen kleinen Mädchen zu schwenken - ja, money makes the world go round! Am Tokyo Dome angekommen, stellte ich mich flugs an der Schlange bei den Fanartikeln an, und erwarb nebst einem T-Shirt und einem Handyanhänger ein kleines Poster vom Matsumoto sowie ein Winketeil mit seinem Gesicht drauf. “Matsumoto-SAN” sagte die Frau am Stand leicht vorwurfsvoll. Ups! Hatte ich nicht meinen korrekten Rang eingehalten und ihn nur “Matsumoto” genannt. Irgendwo hatte ich als Fun Fact gelesen, dass jetzt der eine aus der Band mit dem Matsumoto so gut befreundet ist, dass der ihn MANCHMAL SOGAR MIT DEM VORNAMEN ANSPRECHEN darf. Also wenn ich mit jemand 24/7 in Fernsehtalkshows / im Tourbus / im Plattenstudio / bei Johnny im Keller rumhänge, hätte ich das als gegeben angenommen, aber bitte. Auf der Bühne sprach man sich tatsächlich mit “-san” an. Oy. Wobei der Matsumoto der Jüngste ist und somit eigentlich nix zu sagen hat.
Schön war beim Fanartikel-Kauf, dass man immer gut erkennen konnte, wes Geistes Kind die anderen Leute war, denn jedes Fanobjekt eines Mitglieds der Band war in einer anderen Primär-Minzfarbe eingepackt. Wir lilanen Matsumoto-Anhänger waren gar nicht so viele, hauptsächlich war in Tokio hellgrün gefragt (ich glaube, das war der Sho, der die Talkshow im Fernsehen hat). Blau wollte keiner, das war vermutlich der, den keiner kennt (einer ist ja immer dabei bei jeder Boyband, ich habe auch prompt nach dem Konzert schon wieder seinen Namen vergessen).
Jedenfalls tat ich mein frisch erworbenes schwag in eine ebenfalls frisch erworbene Jute-Tüte und wartete vor dem Eingang. Pünktlich um 16 Uhr öffnete man diesen und ich hatschte hinein, und fand auch gleich meinen Platz, schräg links, Reihe 37, hinter der 3. Base. Die Sicht war da schon ordentlich, wenngleich auch nicht so schön wie ein Arenaplatz. Wobei die Arena hier auch bestuhlt ist, nix mit unordentlich Rumstehen da in Japan. Während ich so wartete, lief vom Band ca. 20 Mal die gleiche Durchsage, dass, wer während des Konzerts ein Foto macht, quasi gleich mit dem Tode bestraft wird, und wer sein Handy auch nur rausholt, braucht gar nicht mit Ausreden kommen, der fliegt raus. Ja, Herr Johnny weiß, wie sich Konzertfotos gut verkaufen.
Außerdem sollen wir auf alle Fälle sitzenbleiben und nicht die Leute vor und hinter uns an der Sicht hindern. Damit wir nicht auf dumme Gedanken kommen, steht auch vor jedem Block ein Aufpasser und mehrere Herrn von der Polizei patroullierten die Halle mit Megafonen. Ich machte mal vorher noch ein Foto und wollte dann auf die Toilette, aber wer vorher gut aufgepasst hat, hat den Klostau schon vor dem geistigen Auge: 70.000 Mädchen, 4 Männer. Ich also nicht aufs Klo, sondern statt dessen noch ein blinkendes Winketeil gekauft, was irgendwie jeder hatte außer mir. War auch eine gute Entscheidung, denn das braucht man dringend beim J-Pop-Konzert, man muss das nämlich im Takt schwenken und damit die Choreo imitieren.
Nachdem die umsitzenden Mädchen ja nun wirklich aus dem Fanclub waren, hatte jede einzelne von ihnen selbst zusätzlich kleine puschlige Winketeile gebastelt, wo vermutlich draufstand “Nino, ich will ein Kind von dir” oder so ähnlich. (Nino bietet sich nämlich als Fanobjekt für kleine Mädchen total an, nicht, weil er klein und niedlich ist, sondern weil sein Name sich besonders eignet - da kann man im Ultrasonarsound quieken “NIIIIIIIIIIIIIIIIIIIINO”, versuch das mal mit dem Matsumoto, der heißt “Jun”, geht gar nicht).
Und dann gabs ja auch noch das Konzert. Und wenn wir mal drüber nachdenken: was kriegt man sonst für sein Geld bei einem Konzert? Man hört sich ewig eine grauenvolle Vorband an (1000 Roboter, I’m looking at you), oder der Sänger ist total stoned, oder es wird die aktuelle Platte genudelt und dann ist Schluss, oder manchmal hat die Band auch keinen Bock und trinkt viel Bier während dem Auftritt und dann fällt der Gitarrist in die Menge oder so. Nicht so beim J-Pop.
Da ist Drogen und Alkohol vermutlich nicht vor dem Auftritt, da wird Johnny schon eine entsprechende Klausel in den Knebelvertrag geschrieben haben, die Choreo muss schließlich sitzen (singen können sie ja nicht, irgendwas müssen sie ja machen auf der Bühne). Und die Jungs wissen schon, auf welcher Seite ihr Brot gebuttert ist, denn seien wir mal ehrlich, wer da auf der Bühne steht, ist doch irgendwie auch egal, und wer sich danebenbenimmt, ist schnell weg vom Fenster, so wie der eine aus der Piratenband, der gerade offiziell auf “Sprachurlaub in USA” ist (aka Drogenprobleme).
Aber ich schweife ab. Was war uns hier fürs Geld geboten? Beim J-Pop wird um 18 Uhr pünktlich angefangen, und dann ist dreieinhalb Stunden volle Kanne Party (wir sprangen natürlich doch alle auf), mit ordentlich Tanz und Gesang und eben Schwenken der frisch erworbenen Fanartikeln. Und 5 Meter hohen Pappmache-Pferden, die durch die Menge fahren. Sowie einem 10 Meter hohen, ausfahrbaren Pilz zum drauf Stehen im Sonnenblumenkostüm (don’t ask). Oy, die Kostüme! Pailletten und Federn für alle! Und PY-RO-TESCH-NIK. Und Konfetti. Und einer hin und her fahrenden Plattform. Und ca. 50 fahnenschwenkenden Tänzern. Und Seifenblasen. Und noch mehr Feuerwerk. Und man schwebt an Seilen über der Menge, damit auch das obere Stockwerk was vom Konzert hat. Zwischendrin fährt man mit kleinen Wägelchen wie der Blitz durchs Publikum bzw. immer mal wieder außenrum, der Tokyo Dome ist groß und jeder darf mal jeden sehen. Dabei werden sämtliche Hits, die man so hat, intoniert, während auf großen Bildschirmen der Text zum Mitsingen erscheint. Karaoke für alle! Ich glaube, ein Lied sang man auch zwei Mal, aber ich kann mich auch täuschen.
Wir schwenken also fröhlich unsere Leuchtteile im Takt, und schauen zu, wie man tanzt, bis die Schwarte kracht, der Nino uns Zaubertricks zeigt und in einer Slapsticknummer dem Ohno in den Bauch boxt. Wie der Dingenskirchen, den keiner kennt, Flicflac über die Bühne macht. Und wie der Matsumoto sein Hemd auszieht (alle kleinen Japanerinnen kreischen und fächeln sich Luft zu, ich kreische auch und fächle mir Luft zu - aber nur, damit ich nicht spontan auf den Boden brechen muss - BETTINA! Das ist kein schöner Anblick). Dann begrüßen wir noch Hey!Say!Jump! (Die gehören auch Johnny und sind “spontan” vorbeigekommen, das Konzert anschauen. Das sind ca. 12 Pappnasen - das verletzt meine Regel, dass, wenn ich eine Band gründe, nicht mehr als 4 Mitglieder dabei sind, sonst muss man sich das Geld mit so vielen Leuten teilen. Aber Geld kriegt ja hier eh nur Johnny, insofern irrelevant.)
Im Anschluss singt noch der Sho (oder war es der Ohno? Ich kann sie so schlecht auseinanderhalten von hier oben) ein Lied zu Ehren unserer Ökotüte, während schmelzende Gletscher auf den meterhohen Bildschirmen zu sehen sind. Global Erderwärmung DOUBLE PLUS UNGOOD! Anschließend gibt es vier (in Worten VIER) Zugaben, und zu guter Letzt singen wir alle zusammen auch noch dem Nino ein Geburtstagsständchen, hat er nämlich, und zwar den 25. - bald ist es vorbei mit dem Boygroup-Dasein. Am Schluss wabern die Pheromone nur so durch die Halle, und wir gehen alle glücklich singend nach Haus, legen unser Matsumoto-Winketeil unters Kopfkissen und fragen uns, was so ein Flug nach Sapporo wohl kostet - da war man ja noch nie gewesen, in Sapporo, und soll ja auch viel Schönes da geben.
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Heute wollte ich mir etwas göttlichen Beistand suchen, und ja auch noch mal orakeln, und fuhr deshalb morgens nach Asakusa zum Hase-Schrein, wo bereits die Hölle los war. Ich fand aber dennoch gleich das Orakel und orakelte frisch drauf los. Da schüttelt man so eine Art großen Zahnstocherhalter, in dem sind Stöckchen drin, die aussehen wie Ess-Stäbchen. Oben aus dem Loch schüttelt man dann ein Stäbchen heraus, da ist eine Nummer drauf, und aus der dazugehörigen Schublade holt man dann seinen Weissagezettel. Meiner war Nummer 4 “Good Fortune”. Na, das ist ja mal was. Das einzige, wo das gute Orakel so ein wenig negativ war, ist in Bezug auf Geld: “Mit dem Einkommen sieht es mau aus” - klar, weil ich immer Mangas kaufe. Wo die Götter mir das schon bestätigt hatten, ging ich gleich auch noch welche einshoppen, und dann in den Ueno-Park auch lesen.
Dort gab es viele kleine Büdchen, an denen diverse Snacks angeboten wurden, aber außer der Schokobanane und der pommesähnlich frittierten Hurricane-Kartoffel erschienen mir da doch einige obskur - zu viele Oktopusarme waren da vertreten. Ich erstand also eine Hurricane-Kartoffel, die schmeckte wie Kartoffelchips auf einem Stäbchen. Neben mir auf der Bank im Park saß einer, der sprach japanisch mit einer Frau, und zwar extrem unhöflich, und ich wunderte mich, was das wohl für ein Japaner ist, der so unhöflich mit seiner Frau umgeht - es stellte sich aber dann bei näherem Zuhören heraus, dass es sich um einen Amerikaner handelte, der hier arbeitete, und offensichtlich noch nicht so gut Japanisch konnte.
Dann wollte ich eigentlich später nach Shinjuku, nochmal nachts auf Rathaus steigen, und dachte mir, wo das Wetter so schön sei, könne ich auch hinlaufen (da ist auch die Gegend, wo viele Sachen verkauft werden, die vom Lastwagen gefallen sind). Und wie ich so lief und lief und lief, wurde die Nerd-Dichte immer höher, und schwupps! war ich wieder in Akihabara gelandet - schon witzig, wie man das an den Leuten auf der Straße erkennt. Die meisten Kamerateams waren zum Glück wieder weg, und nur noch die Blumenhaufen nebst Getränke zeugten vom Ort des Verbrechens (weiß nicht, warum man da Getränke hinstellt). Bzw. von den Orten des Verbrechens, der Messerstecher hat nämlich 17 Leute die Straße entlang erstochen und da sind mehrere Blumenhaufen.
In Akihabara ist der Geräuschpegel auch unglaublich hoch, da blinkt und hupt alles wie verrückt, kein Wunder, dass da der instabile Nerd mal durchdreht. In den Nachrichten, die ich gerade gucke, ist der Messerstecher aber jetzt schon auf Platz 4 abgerutscht nach einem Erdrutsch (?), einem Busunglück, und der Einweihung der nigelnagelneuen U-Bahn-Linie F.
Gerade kommt neben den Nachrichten übrigens auch wichtiger Fußball im Fernsehen, wird überall live übertragen: Japan gegen Thailand. Mja. Vor zwei Tagen wurde auch groß angekündigt HEUTE!!! WICHTIG!!! TOLL!!! … Japan U30 gegen Kamerun U30. U30? Das muss man extra dazu sagen? Komisch. Die Japaner lieben ja Fußball und spielen das den ganzen Tag, ich frage mich, warum wir so wenig japanische Fußballspieler in unseren Ligen haben, so schlecht können sie ja nicht alle sein, und von der Größe her hatten wir ja auch den Olaf Thon damals.
Dem obigen könnt ihr entnehmen, dass ich entkräftet nach dem Weg durch Akihabara ins Hotel zurückgekehrt bin und nicht mehr ins Rathaus hochgestiegen bin. Noch einige Beobachtungen vom Weg, aus der Kategorie “Dinge, die in Japan anders sind als bei uns”:
A) Auf der Rolltreppe muss man einen größeren Abstand zum Vordermann lassen, nämlich mindestens eine Stufe.
B) Die Männer tragen ihren Frauen häufig die Handtasche, während die Frauen Shopping-Tüten von Burberry schleppen. Das heißt, ich nehme an, es sei die Handtasche der Frau, manchmal ist man bei den Männern hier ja etwas unsicher ob der vielen gezupften Augenbrauen.
C) Wenn man zum Starbucks geht, stellt man erst seine Handtasche auf einen Platz, wo man sich setzen will, dann lässt man die Handtasche alleine da und geht Kaffee holen. Ich persönlich aber habe ja trotzdem Angst um meine Handtasche und schleppe sie überall mit hin (ist ja auch die teure Konzertkarte für morgen drin).
Und aus der Kategorie “Geschäftsidee, die man hätte haben können”: Hier stehen überall Automaten, auf denen steht “Hier kriegen Sie vermutlich NIX!” Die sehen aus wie große Kaugummiautomaten, und es sind massig viele Kugeln drin, in denen ist NIX. Und eine, in der ist ein iPod oder sowas. Und ne Kugel herauszuziehen, kostet 100 Yen. Dann hat man vermutlich NIX (oder den iPod, aber die Chance ist relativ gering). Und damit die Leute nicht enttäuscht sind, hat man es vermutlich draufschreiben müssen.
Wobei den Japanern es ja gern egal ist, ob man NIX kriegt, denn die ganzen Amusement-Hallen sind voll mit diesen Automaten, wo man mit Greifarmen Spielzeuge rausfischen kann, wobei nicht wie bei uns der Automat ganz vollgestopft ist, sondern immer so drei, vier Sachen verloren drin rumliegen. Da sieht man doch schon, dass nie einer was rausholt, sonst wär der Automat ja ruck zuck leer? Kümmert die Japaner aber offenbar nicht, sie werfen Yens rein, dass die Schwarte kracht. Ebenso verbirgt sich mir ja immer noch der Reiz von Pachinko, ich glaube, da schüttet man Kugeln oben rein und dann plinkern die so durch und mankriegt auch NIX wieder. Habe es aber immer noch nicht ausprobiert, der Geräuschpegel, Sie wissen ja… (”Ist es ein D-Zug in 2 cm Entfernung, eine Atom-Explosion, oder ist es eine Pachinko-Halle?”)
So, jetzt werde ich noch mal gucken, ob ich was zu Essen ergattern kann, und dann muss ich mich entspannen, weil ich ja morgen zum Tokyo Dome finden muss, wo man mich hoffentlich mit meiner relativ illegal erworbenen Karte reinlässt. Ich geh mal vorsichtshalber früh hin, damit ich mich orientieren kann. Außerdem muss ich ja noch mindestens einen Winkewimpel erstehen.
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jeht et wieder? hm? vielleicht?
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Auch heute hatte der Wetterfrosch nicht gelogen: Strahlender Sonnenschein erfreute mein Herz, so dass der Schirm direkt zu Hause bleiben konnte. Ich machte mich also auf nach Odaiba, mit der Schwebebahn Yurikamome. Die fährt kurz vor der Tokyo Bay noch eine lustige Schleife, bei der ich mir nicht sicher war, ob die von der Stabilität her nötig war, oder ob die Japaner sich nur gedacht haben, Schleifen fahren sei lustig. Zumindest war die Schleife auch auf dem U-Bahn-Plan im Waggon eingezeichnet so als kleines Highlight.
Der Strand sah aus wie ein Boardwalk in den USA, er war ja nun auch künstlich aufgeschüttet, davor waren viele Shops und Restaurants - und eine kleine Freiheitsstatue. Die habe ich natürlich gleich im Bild festgehalten, und ein kleiner Japaner erbot sich auch, mich davor zu fotografieren, also habe ich auch mal ein Bild von mir, wie ich das Victory-Zeichen mache.
Ich wanderte so hin und her über den Strand, ging ein bisschen durch die Shops, kaufte mir einen Hut (weil meinen hatte ich vergessen und es war schon ziemlich sonnig, Sonnenbrand habe ich auch, habe ich gerade festgestellt), und fuhr mit dem riesengroßen Riesenrad, das da steht, zu horrendem Preis. Aber man muss ja auch alle touristischen Attraktionen mitnehmen. Dann guckte ich in eine Riesenhalle mit Spielautomaten, und dankte Gott, dass es nicht Wochenende war, denn obwohl es ja unter der Woche war, trieben sich dort bereits einige japanische Schulklassen da herum, und die können ja einen astronomischen Geräuschpegel verursachen - und am Wochenende tobt da in Odaiba sicher der Bär.
Wobei sich der Strom der Jugendlichen vor der Halle dann ordentlich aufteilte: Die Mädchen gingen ins “Venus Fort“, unter künstlichem Himmel in kitschiger Mall shoppen, die Jungs ins “Toyota Megaweb“, Autos angucken. Früh sozialisiert sich, was ein ordentliches Geschlechterstereotyp werden will. Ich also flugs den Jungs nach, auch Autos gucken, weil kitschiger Himmel, da kriege ich Brechreiz von. Drin fuhr ich mit einem kleinen Elektroauto einmal im Kreis herum (”Press the button and then YOU NO DRIVE!”). Dann ging ich Mittagessen, schön auf einer Terrasse mit Blick auf die Rainbow Bridge, und freute mich, dass ich auf der Karte einen Moscow Mule entdeckte. Wie dahoam!
Anschließend holte ich mir ein Eis, und weil man ja nicht beim Laufen essen oder trinken soll (To Go, Schmu Go, geht nicht in Japan, man muss immer rumstehen, auch beim Starbucks mit seinem Kaffee), setzte ich mich damit an den Strand und guckte den Japanerinnen zu, die mit Overknee-Strümpfen, Minirock und 10-Inch Absätzen durch den Strand stöckelten. Ja, das kommt von der Geschlechtersozialisation, hoch leben der Feminismus, schlecht rasierte Beine und Birkenstocklatschen.
Ich hingegen machte es mir am Strand schön gemütlich und verdrückte auch noch ein Crepe (muss man in Japan bei Freizeitaktivitäten immer essen) sowie traditionell japanische McDonalds Pommes (weil er grad da war) und “las” meinen neu erworbenen Manga. Daher auch der Sonnenbrand. Als dann die Sonne weg war, wanderte ich wieder zurück zur U-Bahn, wobei mir die “NEKO-CITY” begegnete, ein Ort, wo man sich in ein fake Wohnzimmer begeben kann und Katzen streicheln. Das kostet 1.200 Yen die Stunde, Futter nicht inklusive. Ich habe da so eine Geschäftsidee für zu Hause…
Anschließend fuhr ich wieder zurück in mein Viertel, und wollte eigentlich noch abenteuerlustig eine Pachinko-Halle betreten, aber ich war irgendwie müde und gar nicht abenteuerlustig, und Pachinko-Hallen sind so UNGLAUBLICH LAUT, das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man keine je gesehen hat. Also dachte ich, mach dir mal nen ruhigen Abend und geh was essen. Nu konnte ich ja nicht mehr in mein ruhiges Sushi-Restaurant, weil ich mich da ja schon zum Affen gemacht hatte, und latschte so auf der Suche nach was Neuem herum. Ich wollte aber nicht wirklich viel essen, und war irgendwie unschlüssig. Nach ungefähr einer Stunde Latschen (zu fettig / sieht teuer aus / da sind nur betrunkene Geschäftsmänner drin / Mexikanischer Japaner? / noch mehr betrunkene Geschäftsmänner / Ein Inder? / Nicht schon wieder ein Automat) war ich mit den Nerven am Ende und steuerte einfach das erste Sushi-Restaurant an, das sich mir in den Weg warf.
Der Sushi-Meister guckte mich missmutig an und pöbelte, als ich die Namen der Sushi falsch aussprach, weia. Später fand ich heraus, dass er missgestimmt war, weil viel zu tun war, und er eine neue Bedienung hatte, die keine Ahnung von nix hatte. Die Bedienung sah zum Schreien komisch aus wie ein Nerd aus einem schlechten Film, sie trug eine RIESIGE Brille, schielte und hatte offensichtlich auch nicht alle Tassen im Schrank, denn sogar mir fiel auf, dass sie herumeierte und nix konnte.
Neben mir saß ein alter Mann mit einer jüngeren Frau, der mich interessiert beäugte, und mir plötzlich einen Rest Natto aufdrängte. Für den, der nicht weiß, was Natto ist, der kann gern mal hier gucken: Das ist ziemlich eklig. Vergorene Kidney-ähnliche Bohnen, die beim Gären ganz schleimig werden und so Fäden ziehen - EKELHAFT sieht das aus. “Hier, junge Frau, nehmense mal, dat is voll gesund”, sagte der Alte und kicherte leise vor sich hin, weil er schon wusste, was Sache ist. Natto war nun so ziemlich das Letzte, was ich essen wollte, aber man will ja nicht unhöflich sein, und so schon gleich gar nicht Ausländer aufs Kreuz legen, alter Mann.
Es schmeckte tatsächlich gar nicht so schlimm, wie es sich immer anhörte, roch aber ziemlich widerlich. Ich also “MMM LECKER”, er darauf “Wirklich? Sonst schmeckt das Ausländern nie”, der alte Schwerenöter, als hätt ichs nicht geahnt. Dann musste ich ihm und der Frau natürlich erzählen, woher ich komme und warum und so. So kam ich also doch noch zum Japanisch üben mit echten Japanern, die Frau konnte nämlich weder Deutsch noch Englisch, nur der Alte. Aber zum flüssig Reden hätte ich glaube ich auch so ein Becherchen Sake wie der Alte gebraucht, zumindest mein Russisch war nach einem Glas Wodka immer total brilliant.
Immerhin durfte ich auch einmal an seinem Sake-Napf riechen - dann war mir auch klar, warum der alte Mann so redselig war, heiligs Blechle. Er vergaß auch dauernd meinen Namen, wobei ich nicht beleidigt war, denn er vergaß auch ständig den Namen von der Frau, mit der er ja schließlich da war. Immerhin zahlte er dann meine Rechnung mit, und dann gingen wir alle drei noch Kaffee trinken. Der Alte schärfte mir noch ein, ich müsse dringend noch zum Tempel für die in WWII gefallenen japanischen Soldaten (”Like in YOUR country” - der Japaner ist ja da nicht so kritisch, was die Kriegsverbrechen angeht).
Kurz vor Ladenschluss wurde ich dann noch für nächsten Samstag zum Essen eingeladen, man würde mich anrufen (”Gell, Maria, die Hitomi ruft dich dann an” - “Monika” - “Megumi”), da bin ich ja gespannt, ob sich die nächste Woche noch daran erinnern. Na, das war ja genau das Richtige für einen ruhigen Abend. Immerhin war er billig, und einen kleinen verpackten Baumkuchen bekam ich auch noch zum Abschied geschenkt. Schön.
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Heute hat mein Handy wieder versagt, isch weiß net, warum’s des macht. Aber langsam gewöhne ich mich an die Zeitzone und bin trotzdem um die richtige Uhrzeit aufgewacht. Heute hatte der Wettermann recht: Regen, Regen, nochmals Regen. Wiewohl traurig, trug ich wenigstens den treuen Regenschirm diesmal nicht umsonst mit mir herum. Im Zuge der Aktion “Lerne Tokio von allen Seiten kennen”, ging es heute ins Nerd-Viertel Akihabara. Da kann man keine zwei Meter laufen, ohne von diversen Elektro- sowie und Rollenspielartikeln angefallen zu werden.
Das Laufen durchs Viertel war aber relativ anstrengend, weil vor ca. 3 Tagen ein wahnsinniger Messerstecher in Akihabara zugeschlagen hat. Nein, nicht anstrengend, weil man Angst vom bösen Mann haben musste, den hat man gestern gefasst. Aber seither kommen ständig Updates im Fernsehen (”So ein ruhiger Mann”, sagten die Nachbarn / “Hier ein Video vom Truck, den er vorher fuhr” / “Bei diesem Geschäft hat er sein Messer gekauft”), und deshalb durchstreiften nun Horden von Kameracrews das Gebiet großräumig, auf der Suche nach Leuten, die was zum Fall zu sagen hatten. Nachdem aber die Anzahl der Kameracrews die Anzahl der Aussagebereiten deutlich überstieg, stürzten sich diese sogar auch auf nichtsahnende Touristen, und ich entkam mehrfach nur knapp.
Ich begutachtete dann die Nerd-Ware, wobei die Geschäfte eine mir persönlich zu große Anzahl animierter Boobies aufwiesen, und mir die japanischen Nerds (Otakus), die gerne mal z.B. WWII-Uniformen tragen, mir persönlich auch etwas unheimlich sind. Damit ich euch was zu erzählen habe, ging ich aber sogar in den Laden mit den 6 Stockwerken, in dem man alle möglichen Kostüme kaufen konnte. Wobei ich dann beim Reingehen feststellte, dass die Kostüme nur in den oberen zwei Stockwerken angeboten wurden, und in den unteren vier Stockwerken einige ältere japanische Geschäftsmänner nebst einer jüngeren Dame (unrelated) verschiedene Befriedigungsartikel begutachteten, die ein bisschen aussahen wie ein Ersatzteillager in einer Schaufensterpuppenfabrik. Eek!
Auf der Straße begegneten mir auch dauernd kleine Mädchen, die aussahen wie die gestern bereits erwähnte französischen Dienstmädchen (und eine “sexy Nurse”), ich hoffe, die waren auf dem Weg zur Arbeit, ich fürchte aber, die sind einfach immer so angezogen. Die Nerds machten Fotos von ihnen. Mir ist auch aufgefallen, dass japanische Frauen häufig ein kleines Köfferchen hinter sich herziehen, vielleicht ist da ja für jeden Anlass das passende Kostüm drin untergebracht.
Anstrengend ist bei Regen übrigens auch, dass man bei jedem Betreten eines Geschäfts seinen Regenschirm in eine kleine Plastikhülle friemeln muss, damit er nicht tropft (so das Geschäft denn keinen Schirmständer draußen aufgestellt hat). Manche Geschäfte haben auch so eine Art Automat, der den Regenschirm automatisch in die Hülle schiebt. Beim Verlassen des Geschäfts friemelt man ihn wieder raus und schmeißt die Hülle weg. Umweltfreundlich ist das nicht wirklich.
Nachdem es ja regnete wie Sau, wanderte ich dann, wie bereits angekündigt, in einen Karaoke-Schuppen, wo ich die Frau an der Kasse mit meinem Unwissen etwas aus der Fassung brachte. Aber irgendwann gab man mir einen Zettel, auf dem eine Nummer geschrieben stand, und bedeutete mich in den vierten Stock, wo die Nummer mit einer kleinen Karaoke-Box korrespondierte. In der Box war eine Bank und die Karaokemaschine, sowie eine Lightshow, die blinkte. Neben dem Fernseher lag eine Art Telefonbuch, in dem waren alle Titel aufgeführt, die man so singen konnte. Die Titel waren nach obskuren Regeln mehr oder weniger phonetisch/alphabetisch geordnet, so dass man dann lustig raten konnte, ob ein Titel, der mit “Who” anfängt, unter “ha” einsortiert ist (ja). Das mag einem Japaner eingängig sein, der Europäer hingegen muss kläglich scheitern. Immerhin war neben dem Liedtitel auch immer die erste Zeile angegeben, damit man wusste, ob man auch das richtige Lied meint.
Nach längerem Suchen fand ich dann einen Titel, den ich kannte (weil er unter “ro” wie “Rock You” angebracht war, was am einfachsten zu finden war). Die Lieder waren mit Nummern versehen: “Alles klar” dachte ich in meiner jugendlichen Naivität und griff zur Fernbedienung. Die Fernbedienung war aber ungefähr so groß wie mein Unterarm und hatte ca. 2.000 Knöppkes - auf japanisch beschriftet. Ich tippelte wild darauf herum, bekam aber keinen Bildschirm, wo ich Nummern eingeben konnte, es gab ein Knöppkes “Neue Lieder” und ein Knöppkes “Lieder, die älter sind als 6 Monate”, aber die brachten mich nicht weiter, und die anderen konnte ich nicht entziffern.
Von links und rechts hörte ich währenddessen fröhliche Japaner, die es besser konnten, bereits laut und falsch Lieder intonieren (ich hatte auch, freundlich wie ich bin, vier Geschäftsmänner auf Mittagspause schon im Aufzug erheitert, weil ich im falschen Stockwerk ausgestiegen und dann wieder rasch hineingehüppt war). Seufzend dachte ich “Könnte man doch einfach nur Nummern eingeben” und tippte mürrisch auf die Nummer “2″. Die erschien dann auch prompt auf dem Display. VICTORY! Man brauchte gar kein Menü. Einfach Nummern eingeben und los geht’s. Da hätte man auch drauf kommen können. Nachdem ich dann auch noch herausfand, dass das 2. Telefonbuch nicht noch ein Exemplar des ersten war, sondern ein nach Interpret geordnetes, und die leichter zu finden waren, gab es kein Halten mehr und ich gröhlte fröhlich eine Stunde durch, während die Lightshow orgelte.
Hey, Karaoke ist toll, das mach ich jetzt öfter. Da fühlt man sich wie bei Bohlens auf der Bühne. Ich frage mich, warum sich das bei uns nicht durchgesetzt hat - bei uns gibt es immer nur diese öffentlichen Karaoke-Events. Aber vor Leuten will doch keiner singen…und in so einer kleinen Box, das ist doch viel schöner und erfreut doch alle. Außer denen, die man mitgebracht hat, und die zuhören müssen. Aber die müssen halt mitsingen, dann hört man das nicht mehr so gut. Immerhin weiß ich jetzt, was Frau S. immer hört, wenn ich beim Putzen zum iPod mitsinge. “Hmadumdes versteh ich nie schrmfrschubideilalala” - der General entschuldigt sich und gelobt in aller Förmlichkeit, nur noch in Karaoke-Boxen zu singen :)
Man kann sich übrigens wohl auch in die Box Getränke bringen lassen, wie das ging, konnte ich nicht herausfinden, aber die Nachbarn sah ich fleißig ordern - ja, beim Singen wird die Kehle trocken. Ich hatte mir schon beim Reingehen einen kleinen vermeintlichen Schwarztee geordert, es war aber Schwarztee mit Kohlensäure, in dem augenscheinlich noch ein Schuss Essig enthalten war. Brrrrr! Der Japaner isst nicht nur merkwürdige Sachen, auch die Getränke sind offensichtlich mit Vorsicht zu genießen.
Anschließend dachte ich mir, ich tu jetzt noch was für die kulturelle Bildung, und gehe ins Kabuki-Theater. Das ist an der Ginza, und da kann man auch nur einen Akt für billig Geld anschauen. Ein Akt dauert 1 Stunde, das kann man schon mal machen. Ich stellte mich also an der Schlange an, kurz bevor eine Horde Studiosus-Reisender aus dem Osten ankamen, aber ich drückte mich geschickt durch das demonstrative “Lesen” eines japanischen Mangas vor Zwangskonversation.
Das Kabuki-Theater war ganz witzig. Wenn man nur einen Akt guckt, sitzt man ganz oben - die Japaner hatten sich alle kleine Lunchboxen mitgebracht und mampften die vor der Vorstellung, fein ist nicht im Kabuki-za. Kabuki ist übrigens das, wo alle Schauspieler krass geschminkt sind und relativ einfache Plots mit ganz elaborierten Bewegungen und unter Musikbegleitung (mit einer ukuleleähnlichen Gitarre sowie Trommeln) vorgetragen werden. So ungefähr Oliver and Hardy meets Bauerntheater meets Ballett meets Samurai. Auuuuooooooooouuuuuu! Zudem darf das Publikum gerne zwischenrufen, wenn es mag. Für mehr Info klickst du hier. Ich hatte übrigens einen englischen Knopf im Ohr, der mir Dinge erklärte, wobei auch einige Japaner einen japanischen Knopf im Ohr hatten - altjapanisch ist nicht jedermanns Sache offensichtlich. Neben mir die dicken Ost-Leute passten nicht in ihre Stühle und mussten dauernd aufstehen und sich die Beine vertreten. Zum Glück waren sie nicht in den unteren Reihen, da gab es eine Frau, die herumging und Leute zur Ordnung rief, die tuschelten. Sowas sollte es bei uns im Kino auch geben. Ruhe jetzt!
Nach dem Kabuki ging ich dann Sushi-Essen und bestellte mir dermaßen fehlerfrei beim Sushi-Meister ein Shrimps-Sushi, dass ich übermütig wurde und versuchte, nach einer Bank zu fragen - konnte ja keiner damit rechnen, dass die japanischen Banken früh zumachen, und man dann auch nicht mehr an die Geldautomaten kommt, und somit meine Frage kompletter Nonsens war um die Zeit. Die Antwort (”Was fragen Sie für komische Sachen, die Bank hat zu”) verstand ich natürlich nicht und guckte wieder wie der Ochs vorm Berg. Man lernt einfach irgendwie die falschen Sachen für den täglichen Umgang durchs Anschauen japanischer Soaps. Aber ich komm ja nie wieder in dieses Restaurant, also kann ich ja so blöd auftreten wie ich mag. Und nu bin ich wieder im Hotel und hoffe, dass mein Zimmernachbar diese Nacht nicht wieder so laut schnarcht wie gestern (wegen der dünnen Wände ja auch die Love-Hotels). Und morgen, wo Sonnenschein angesagt ist, plane ich, die neue Sonnenbrille nun endlich an den Odaiba-Strand spazieren zu führen.
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Nachdem ich heute Nacht zwar ein Update der Euro 2008 sah, mit einem kleinen Japaner, der mit einem großen Zeigestock auf Mannschaften deutete, sowie einer Zusammenfassung Holland gegen Italien, aber keinen einzigen Schweden beim Trikot-Tausch, war ich fast schon wieder froh um meine Matsumoto-Werbungen.
Heute war mein Plan eigentlich, auf die künstliche Insel Odaiba zu fahren, die man vor Tokio als Extra-Stadteil aufgeschüttet hat. Aber leider hatte sich mein Handy irgendwie auf eine andere Uhrzeit umgestellt, und darum mein Wecker nicht geklingelt - um halb 1 wachte ich von selbst auf und beschloss, den Tag anderweitig herumzubringen.
Nachdem der Wettermann gestern im TV Tokio ominös mit seinem kleinen Stöckchen mehrfach auf die Wetterkarte gedeutet hatte: “Regen”, “Regen” und immer wieder “Regen”, trug ich auch meinen treuen kleinen durchsichtigen Schirm mit mir. Jetzt aber ein kleiner Tokio-Tipp von mir nur für euch: Wenn man in Tokio mit einem Schirm aus dem Haus geht, und die ersten vier Tokioter, die einem begegnen, haben keinen dabei, so ist sogleich umzukehren und den Schirm im Hotel zu deponieren. Es wird nicht regnen und man schleppt das Ding sonst den ganzen Tag unnütz mit sich herum. Leider hatte mir vorher keiner diesen nützlichen Tipp gegeben, und so schleppte ich den Schirm den ganzen Tag unnütz mit mir herum - außer mir trugen nur 2 andere traurig aussehende Gaijins sowie 3 alte Opas einen Schirm.
Auf meiner Mission “Lerne neue Stadtteile von Tokio kennen” fuhr ich dann heute nach Ikebukuro. Dort gibt’s große Karaoketempel & Entertainment-Center, die blinken und hupen, einen riesigen Toyota-Showroom sowie massig Manga-Läden. Da war ich natürlich in meinem Element und wanderte fröhlich shoppenderweise durch. Die gute Tat des Tages: Ich hielt eine Gruppe amerikanischer Teenager davon ab, einen “Boy Love” Mangaladen nach “Full Metal Alchimist” Mangas zu durchsuchen - es hätte die zarten Gemüter der männlichen amerikanischen Durchschnitts-Teens (die ja gern mal leicht homophob angehaucht sind) sicher schwer erschüttert. (Bei den amerikanischen Teenie Mädchen machte ich mir keine Sorgen, die sah ich unauffällig Boy Love Harry Potter Mangas in ihre Einkaufskörbe packen.)
Ich hatte vorher gelesen, dass es in Ikebukuro auch ein “Butler Café” geben soll, extra für Frauen, als Äquivalent für die sogenannten “Maid Cafés” für Männer, wo die Bedienungen französische Dienstmädchen-Uniformen anhaben. Auf dem Weg durch die Manga-Straße sah ich dann einen ominösen Eingang, mit einer Treppe nach unten, die immer nur Frauen hinunterstiegen. Messerscharf schlussfolgerte ich, dass es sich hier sicher um das Butler Café handeln würde. Nachdem ich ja was zu erzählen haben wollte, außer “Habe heute Mangas gekauft”, dachte ich, sowas sei sicher spektakulär, und wanderte auch hinunter. Unten stand auch ein kleiner dünner Japaner in einer viel zu großen Butler-Uniform, der leise und devot anmutend irgend etwas murmelte, was ich natürlich nicht verstand, aber er wiederholte es gerne auf Englisch: “Ohne Reservierung ist nicht hier im Butler Café”. Die hatte ich ja nun leider nicht, die Reservierung (kann man übrigens hier durchführen, wer denn so mag), aber nachdem ich mir den kleinen dünnen Japaner noch einmal ansah, dachte ich mir, dass so ein devoter magerer Butler auf mich irgendwie auch nicht wirklich den gleichen Reiz ausübt wie Frauen im Dienstmädchenkostüm auf einen Mann. Ich insistierte also nicht, dass man mir doch einen Platz suchen solle, sondern ging lieber ganz ohne Butler Ramen-Nudeln essen.
Anschließend trank ich noch in einem Coffee-Shop einen Kaffee (”hot”) und beantwortete auch die Frage, die ich für “Für hier?” hielt, mit einem deutlichen “Hai”. Man gab mir dann einen Papp-To-Go-Becher. Mja, setzen, Sechs. Nach dem Kaffee besichtigte ich den Toyota-Showroom, man muss sich ja für den neuen Arbeitgeber fortbilden.
Dann war es schon wieder voll spät, und ich dachte mir, das Nachtleben in Shibuya hätte ich noch nicht erlebt, also fuhr ich da mit der U-Bahn hin. Da ich ja schon das Butler Café nicht gesehen hatte, wollte ich für euch wenigstens erkunden, wie das mit den “Love Hotels” so aussieht. Mein Reiseführer sagte, man müsse da hinter der Shibuya-Kreuzung einen Hügel hinauf, da wären sie dann. Leider waren da überall Hügel, und ich stieg mal links, mal rechts, nur Love Hotels waren da keine. Zur Orientierung versuchte ich, nach Pärchen Ausschau zu halten, die entweder einen post- oder prä-koitalen Eindruck machten, aber irgendwie war auch das nicht von Erfolg gekrönt.
Ich trug beim Hügelsteigen dabei große Tüten mit Mangas plus den Schirm, das darf man nicht vergessen, war deshalb dann auch irgendwann erschöpft, und musste erst einmal einen Kaffee beim Starbucks an der großen Kreuzung trinken (”kalt”). Dort konsultierte ich noch einmal den Führer, und fand heraus, dass ich die ganze Zeit in die falsche Richtung gegangen war. Auch mein Geldbeutel hatte dabei übrigens gelitten, weil ich natürlich statt der Love Hotels dauernd kleine Shops fand, die mir Dinge zum Anziehen verkaufen wollten und das auch taten. Ich besitze jetzt also eine neue kleine Handtasche, eine Sonnenbrille und ein hübsches kleines Oberteil.
Als ich die Love Hotels dann endlich fand, waren sie etwas antiklimaktisch (no pun intended), es waren halt ein Haufen nicht weiter spektakuläre Hotels nebeneinander auf dem oben erwähnten Hügel, man sah denen von außen nicht wirklich an, was jeweils drin geboten wurde (die haben häufig verschiedene Themen). Und ich wollte weder selbst 4.000 Yen investieren, die eine Stunde “Rest” da ungefähr kostet, noch den dicken betrunkenen japanischen Geschäftsmann ermutigen, der mir freundlich beim Hügelhinabsteigen zuwinkte.
Also begab ich mich wieder zurück in mein eigenes Love-Free-Hotel. Morgen soll es übrigens wieder regnen (wer’s glaubt!), und so habe ich mir einstweilen vorgenommen, einen Karaoke-Laden auszuprobieren, die kosten tagsüber nämlich ziemlich wenig Geld, sowie ein Sentou aufzusuchen (öffentliches warmes Bad).
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Gestern fiel ich ermattet ins Bett, und dachte mir: Super, weil ich so müde bin, wird das den Jetlag nonexistent machen und ich schlafe bis morgen früh durch. Als ich dann frisch gestärkt erwachte, kam so eine Art Frühstücksshow im Fernsehen - wunderbar…dachte ich zumindest, bis der Sprecher sagte: “Guten Abend, meine Damen und Herren”. Eek! Es war erst 12 Uhr nachts. An Einschlafen war dann aber leider nicht mehr zu denken. Die Luftfeuchtigkeit war durch den Regen auch so hoch, dass man sich im Zimmer entweder fühlte, als wär man 30.000 Meilen unter dem Meer, oder wenn man die Klimaanlage anmachte, Angst haben musste, dass das Wasser in der Luft um einen festfriert.
Nun, ich vergnügte mich dann halt mit Matsumoto & Co, denn selbstverständlich war man nebst der Magazin-Cover auch so ziemlich bei jeder Fernseh-Talkshow zu Gast. Außerdem wirbt man nebenher ohne Unterlass für Suppen und diverse Tees, nur die Pickelcreme muss Orlando Bloom an den Mann bringen. Ja, das Leben als Boyband-Mitglied ist hart und schwer, Freizeit ist nicht. Langsam habe sogar ich einen gewissen Matsumoto-Sättigungsgrad erreicht (dachte ich mir so gegen 5:30 “Mmh, lecker Tee”),wahrscheinlich werde ich beim Konzert eine Flasche nach ihm werfen.
Die Reiseführer sagen nun alle, man solle bei Jetlag den Fischmarkt aufsuchen, aber irgendwie ist um 5 Uhr in der Früh, wenn ich saumüde bin, aber nicht schlafen kann, ein Fischmarkt nie richtig attraktiv. Daher habe ich auch den in New York noch nie gesehen. Mein einer Reiseführer sagt auch “Die dort arbeitenden Menschen freuen sich wie Bolle, wenn man sie bei der Arbeit fotografiert” und ich dachte mir “yeah, right, ich seh so richtig, wie der Fischarbeiter vor meiner Linse
posiert, während der dicke Thunfisch nebenan auftaut”. Aber das war auch der Reiseführer, der sagte “Die Einheimischen nennen den Mount Fuji liebevoll Fuji-san” - naja, vielleicht nennen sie ihn auch Fuji-san, weil “san” “Berg” heißt. Kann ja sein.
Also will sagen, ich war nicht auf dem Fischmarkt. Dafür beim Starbucks frühstücken, wo man mich fragte, ob ich meinen Cafe Latte heiß oder kalt wolle. Heiß oder kalt, heiß oder kalt…das fragen sie einen IMMER in Japan, egal was man kauft. Mit der Frage rechne ich aber einfach manchmal nicht. Ekelhaft, so ein kalter Latte.
Dann dachte ich mir, damit heute keiner sagen kann, ich hätt nicht gut gearbeitet aus der touristischen Sicht, fahr ich mal zum Aussichten in den 45. Stock vom Rathaus. Das kann man nämlich kostenfrei tun. Beim letzten Mal war ich ewig herumgelaufen und hatte das Gebäude gesucht, aber nie gefunden. Diesmal hatte ich Glück und nahm den richtigen U-Bahn-Ausgang. Leider war trotz Sonne das Wetter etwas diesig, und so habe ich das Foto gemacht “hier müsste eigentlich der Fuji-san sein, aber man sieht leider nix” sowie das Foto “Ganz verschwommen der Tokyo Dome von oben”. Eigentlich soll man ja nachts nochmal raufsteigen, vielleicht mach ich das die Tage nochmal, nachts sieht man sicher mehr.
Und damit nicht genug der touristischen Freuden, nein, ich war noch zusätzlich im Meji-Schrein (der ist im Yoyogi-Park, bei Harajuku um die Ecke), der mich allerdings herb enttäuschte - ich orakle doch so gerne, und Schrein-Orakel hatte dieser nicht. Muss ich doch noch mal in den Hase-Tempel (sic!), da hatte es ja sowas. Immerhin gab es dort aber eine Bonsai-Baum-Ausstellung, auch schön. Habe ich alles im Bild festgehalten. Bevor ich nach Harajuku zum Einkaufen ging. Wo ich schon mal da war. Allerdings fand ich irgendwie nichts, obwohl ich schon schwer überlegend vor einem T-Shirt verweilte, auf dem stand “I love cherries - pretty is crime!” Leider war es in hässlich minzfarben gehalten. Nur im 100 Yen-Shop habe ich ein paar Handy-Anhänger gekauft (für euch alle!) und einen kleinen Wimpel, auf dem “Wasser” steht und ein kleiner Pinguin surft. Fürs Bad.
Dann war ich Sushi essen, Kaiten, damit ich nix sagen, sondern nur vom Band hieven muss. Ich war dann natürlich wieder verwirrt, als der Sushi-Meister mich auf japanisch ansprach, die anderen Touristen hatte er auf englisch gefragt, ob sie was extra bestellen wollen. Ich verstand natürlich nix, hoffte aber, dass er das gleiche gefragt hatte (vielleicht wars aber doch nur die Frage “heiß oder kalt?”), und wachelte ablehnend mit meiner Hand vor dem Gesicht “chotto”.
Aber ich muss mich optisch schon gut eingelebt haben, denn als ich rausging, sprach mich auch wieder einer auf Japanisch auf der Straße an. Ich dachte, der wolle mir was verkaufen, und wachelte wieder ablehnend mit der Hand. Der sagte aber dann, er wolle mich fragen, ob ich hier wohnen würde, weil er sei Friseur und bräuchte Haar-Models. Ja seh ich denn aus, als ob ich hier wohne? Ich wandere durch Harajuku und bin bepackt mit Tüten vom 100 Yen-Shop. Das Viertel kann ich mir nicht leisten. Und auch den Friseur nicht. Wobei mir ja schon beim letzten Tokio-Aufenthalt aufgefallen ist, dass in dem Viertel da hinter der Omotesando zirka 3 Milliarden Friseure sind. Da muss man schauen, wo man die Kunden rankriegt (als ich dann später meine Haare im Spiegel sah, war mir auch klar, warum er fragte, so zerrupft wie die aussahen).
Im Anschluss lief ich einfach von dort zum Hotel, das mach ich mal ganz gern, einfach durch die Stadt laufen, und wenn einem dabei billige JPop-CDs zum Preis von 200 Yen und ein kleiner Manga (naja, er hat 456 Seiten) in die Hände fallen, ist das ja auch nicht verkehrt. Rein hypothetisch natürlich nur. Zum Abendessen habe ich dann mal einen der Essens-Ticket-Automaten ausprobiert - so richtig erschließt sich mir der Sinn vom Ticketautomaten nicht so ganz, man geht in das Lokal, holt ein Ticket vom Automaten, das aussieht wie ein U-Bahn-Ticket und gibt das dann dem Fuzzi hinter der Theke. Wo man doch auch dem Fuzzi hinter der Theke sagen könnte, was man will. Also nicht ich (”Wollen Sie die Nudeln heiß oder kalt?” “HÄH??”, aber manch anderer. Aber schon schön technisch, so ein Automat. Und jetzt bin ich hier im Hotel, wo Amerikaner Karten spielen und ich mich frage, ob ich noch mal raus soll, oder ob es hier auch schön ist, ich kann mich ja jetzt mit diversen CDs unterhalten.
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Hallo liebe Freunde der leichten Unterhaltung, da bin ich nun in Tokio angekommen und habe mein Hotelzimmer bezogen, was mehr oder weniger so groß ist wie eine Konservendose. Aber: Ich habe immerhin einen (briefmarkengroßen) Fernseher, sogar mit Pay-TV (leider aus Versehen einmal eingeschaltet, aah, Augenkrämpfe). Hier regnet es derzeit, was natürlich erst mal nur eine touristische Aktivität zulässt: SHOPPING!
Wie vielerorts befürchtet, bin ich auch sogleich zum Ticket-Laden gestürzt, um mir für ca. einen Monatslohn einer ostasiatischen Bauernfamilie eine famose Arashi-Konzertkarte für den Sonntag zu erwerben. Aber keine Angst, es war nicht die Karte für 250.000 Yen, die war nämlich schon weg verkauft. Meine ist oben links und war darum noch erschwinglich. Wobei der Laden auch abseits des Kartenverkaufs für den Geldbeutel höchst gefährlich war, weil man dort auch verschiedene hübsch bedruckte Memorabilia für horrende Preise zum käuflichen Erwerb feilbot. Soweit ich das im Internet beim Ansehen älterer Konzertvideos eruieren konnte, benötigt man beim Konzert nämlich mindestens einen Winkewimpel mit Band-Konterfei drauf. Ich widerstand aber heldenhaft. Waren eh auch alte Winkewimpel, man will ja wenn schon, dann auch frische Ware von 2008. Gibt es sicherlich im Tokyo Dome. Wenn ich den am Sonntag denn finde. Aber der ist ja ziemlich groß und sicherlich leicht zu sehen. Und meinen Platz. Auf meiner Karte steht irgendwas mit 3. Aber das wird schon, und im Zweifelsfall kann ich ja wen fragen…auch wenn meine bisherigen Versuche, mein Japanisch an den Mann zu bringen, doch eher kläglich im Sande verliefen.
Aber was kann ich dafür, wenn man mich immer komische Sachen fragt, mit denen ich nicht rechne: Immer fragen sie mich, ob ich eine Kundenkarte habe. Ja sehe ich denn so aus, als hätte ich eine Kundenkarte da? Dass ich den Satz nie erkenne und spontan keine Antwort weiß, ist doch nicht verwunderlich.
Anschließend wanderte ich noch nach Shibuya (SHIBUYA!!) und erstand dort noch die aktuelle Arashi-CD, weil man muss ja auch wissen, was man so “hmnmhmgrm” beim Konzert mitmurmelt. Auch in diesem Laden widerstand ich heldenhaft, nämlich mir eine Zeitschrift mit dem Konterfei von Matsumoto Jun darauf zu erwerben. Dies allerdings mehr ob der Fülle des Angebots - ich glaube, derzeit hat jeder Redakteur die Order, ein hübsches Porträt des Knaben vorne drauf zu drucken. Klar, man singt im Tokyo Dome (Musikzeitschriften), die alte Soap kommt gerade im Fernsehen (TV Guide), der neue Kinofilm läuft nächste Woche an (Cinema), alle japanischen Frauen wollen Matsumoto hübsch dekoriert auf der Couch sehen (Brigitte Japan), und alle japanischen Männer wollen sein wie Matsumoto (GQ). Aber sogar auf einer Literaturzeitschrift war er vorn drauf zu sehen, wie er ein Buch liest (im Regen und mit Schirm, das war schon auch schön). Aber wir können vermutlich froh sein, dass er nicht auch noch sein Haus einrichtet, denn zumindest die Home-Improvement-Zeitschriften waren Matsumoto-frei (zumindest auf dem Titelblatt). Mich überfordert das, und so bin auch ich jetzt MatsuJun-frei (mein Zimmer ist ja auch klein, wo soll ich ihn denn hintun).
Dann wurde ich aber vom Zeitschriften durchblättern tierisch müde, und als ich gerade kurz davor war, noch eine CD einer anderen Boyband zu erstehen, nur weil ich so drüber lachen musste, dass man sich darauf als Piraten verkleidet hatte (die CD hieß “Queen of Pirates“, warum auch immer), riss ich mich am Riemen und ging wieder zurück ins Hotel. Hier werde ich jetzt erst mal einen Kaffee trinken und dann schauen, was der Abend so hergibt. Sofern das Wetter morgen besser ist, gibts dann auch andere Sachen zu berichten als nur, welche CDs ich bzw. nicht gekauft habe.
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Bevor es morgen endgültig in meinen wohlverdienten Urlaub nach T. in J. geht, war ich heute noch auf der Hochzeit meiner Cousine geladen, und möchte hier noch eine Frage zur Diskussion in den Raum stellen, die existenziell vermutlich direkt nach der Frage kommt, wohin die zweiten Socken in der Waschmaschine gehen. Und zwar: Warum gibt es eigentlich auf jeder Hochzeit ein Familienmitglied, das zur “Erheiterung” der Massen zaubert, während alle anwesenden Kinder rufen “DU HAST DIE KUGEL DOCH NUR IN DIE TASCHE GESTECKT”? Oder ist das nur bei meiner Familie so?
Talk amongst yourselves.
Wenn ihr mich sucht, ich bin in Shibuya beim Einkaufen.
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