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The Lincoln Lawyer

June 4th, 2011 · 1 Comment

Nach langer Zeit mal wieder in die Sneak gegangen. Da hat man vorher ja immer die höchsten Hoffnungen, was man da wohl tolles sehen mag. Leider kommt dann gerne mal der Film dazwischen, so auch heute, wo bereits beim Vorspann mit “Matthew McConaughey” die Hoffnungen verfliegen wie die Spinnweben beim Altweibersommer.

“The Lincoln Lawyer” heißt das Machwerk, na, zumindest keine alberne Actionkomödie, das ist doch schon mal was. Leider beginnt der Film mit einer so schlimmen Wackelkameraführung, dass ich erst einmal 10 Minuten die Augen zumachen muss, damit ich dem Vordermann nicht ins Genick brecke, und damit völlig verpasse, warum Matthew mit John Leguizamo wackelig durchs Gericht hetzt.

Anschließend stellt sich sogleich heraus, dass MMC kein Büro hat, sondern in einem Auto arbeitet (hence the name). Warum, wird uns nicht erklärt - vermutlich, damit er mit dem Auto durch die Löcher im Plot fahren kann. MMC verteidigt gerne mal den Abschaum der Gesellschaft, wird uns nähergebracht, ist dabei aber ein Super-Typ (gut, ein leichter Hang zum Alkoholismus, aber das stört ja keinen großen Geist) und kann sowohl mit der Biker-Gang abhängen als auch mit der heißen Staatsanwältin flirten (Ex-Frau!), bevor ihn sein Driving-Miss-Daisy Chauffeur zur Hiphopmusik aus dem Auto wirft.

Kurz bevor uns die Klischees und/oder die gähnende Langeweile zu übermannen drohen, geht es aber ab ins Gericht: Ein reicher Bubi ist angeklagt, eine Frau überfallen zu haben. MMC übernimmt sogleich die Verteidigung. Da der reiche Bubi Ryan Philippe ist, denken wir uns unser Teil ob der Sinnhaftigkeit dieses Unternehmens, und fragen uns, ob im Casting-Büro unter “Reicher Schnösel wo Dreck am Stecken hat” Ryan Philippes Nummer in der Kurzwahl eingespeichert ist.

Jedenfalls geht das dann hin und her und her und hin und LABERRHABARBER MICHAELBALLHAUSGEDÄCHTNISKREISEL IM GERICHT LABERRHABARBER ist er schuldig? Nein! Doch! Nein! Doch! Oh!!!!

So richtig spannend ist das eigentlich nur, wenn man noch nie auf RTL2 die 10. Wiederholung der Pelikan-Akte gesehen hat. Glaubt einer ernsthaft, dass der Film mit dem lustigen Buckelfips-Anwalt übel ausgeht? Allerdings sollte man beim Kinopublikum vermutlich vom geringsten gemeinsamen Nenner ausgehen. So saß ich z.B. bei besagter Pelikan-Akte im Kino; vor dem Film wurde aus irgendeinem Grund der eigene Trailer gezeigt, was dann zu Folgendem führte:

Trailer: *Typ geht zum Auto*
Bombe: EXPLOSION!!!!
Publikum: NEIN OMG *gasp*

15 Min. später

Film: *Typ geht zum Auto*
Bombe: EXPLOSION!!!!
Publikum: NEIN OMG *gasp*
Mon: ???

Insofern kann man getrost alte Plots aus der Mottenkiste holen, erinnert sich nach einer halben Stunde eh keiner mehr dran. Also, was ich damit sagen will; der Plot von Lincoln Lawyer ist mal ordentlich angestaubt.

Die Langeweile lässt immer dann kurz nach, wenn wieder ein neuer Gaststar auftritt, der sich redlich müht (William H. Macy, muss halt auch die Miete zahlen!). Ryan Philippe allerdings karikiert sich irgendwie selbst (vermutlich den ganzen Weg zur Bank), und guckt irgendwie mürrisch, dass ihm den Film über die weiße Katze zum Streicheln fehlt, sowie der Zwirbelbart zum hämisch zwirbeln.

Und alle paar Szenen geht es wieder in den Gerichtssaal, wir kreisen, wir kreisen, noch ne Runde, wer hat noch nicht, wer will noch mal, junger Mann zum Mitreisen gesucht, rück- rück- rück- rück- RÜCKWÄRTS!!!! Buah…is mir übel!

Hat jemand “Klischee” gerufen? Einen hab ich noch: immer wenn man denkt, der Film sei zu Ende, geht es WEITER UND WEITER UND WEITER. Und am Ende freuen wir uns alle, wenn der Baseballschläger zum Einsatz kommt, denn Gewalt ist immer gut, wenn sie denn nur die Richtigen trifft.

Naja, mein Film war das nicht wirklich: 3 von 10 John-Grisham-Ersatz-Punkten von der Jury aus Neuhausen. (full disclosure: Gerichtsmovies sind nie so meins)

Tags: Gelaber

1 response so far ↓

  • 1 Antje // Sep 15, 2011 at 8:01 am

    Sehr unterhaltsam geschrieben! :-)

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